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Magazin Herbst 2018

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Tradition im Herzen

Tradition im Herzen Südtirols Zu Besuch bei der Federkielstickerei Thaler im Sarntal Wer auf dem Weg Richtung Süden statt der Brennerautobahn ab Sterzing die landschaftlich wesentlich reizvollere Route durch das Sarntal wählt, sollte einen Abstecher zur Federkielstickerei Thaler in Sarnthein machen. Hier kann man noch traditionelle Handwerkskunst in ursprünglicher Perfektion erleben. Ulrich und Schorsch Thaler brauchen nicht viele Handwerksgeräte, um aus Rinds- oder Kalbsleder und den Kielen von Pfauenfedern wahre Kleinodien zu zaubern: eine Ahle mit flach zugeschliffener Spitze, Punziereisen, ein eigenes scharfes Messer zum Spalten der Federkiele und eine kleine Werkbank aus Holz. Auch das alles selbst gemacht. Die perfekt aufgeräumte, saubere Werkstatt, in der sie zusammen mit ihren Mitarbeitern diese Kleinkunstwerke in 100-prozentiger Handarbeit fertigt, liegt in Sarnthein. Seit ca. 170 Jahren wird hier im Sarntal dieses Kunsthandwerk gepflegt. Auch wenn federkielgestickte Gebrauchsgegenstände und Trachtenteile außer in Tirol auch in Oberbayern, in Oberösterreich, in Salzburg und im Kärntner Gailtal eine lange Tradition haben, so findet sich das Zentrum der Federkielstickerei heute eindeutig im Sarntal. Die Federkielstickerei erfordert Kunsthandfertigkeit, Kreativität, ein scharfes Auge und nicht zuletzt jahrelange Übung und Erfahrung. Der in Südtirol anerkannte Lehrberuf des Federkielstickers beruht auf einer 4−5-jährigen Lehrzeit. 70 Jahre Federkielstickerei Thaler In der dritten Generation wird in der Federkielstickerei Thaler dieses mehr als 250 Jahre alte Handwerk gepflegt. Die mit Federkiel kunstvoll bestickten Sarner Geldtaschen und Trachtengürtel sind weit über Süd-Tirol hinaus bekannt und beliebt. Jedes Stück ist ein Unikat und persönlich für den Kunden gefertigt. Stich für Stich mit der Ahle entsteht so auf feinstem Rinds-, Kalbs- oder Ziegenleder ein Stück Persönlichkeit mit langer Lebensdauer. Die Federkielstickerei Thaler setzt auf hochwertige Materialien, beste handwerkliche Verarbeitung und Einzigartigkeit im Entwurf. Besuchen Sie unseren Onlineshop: www.federkielstickerei.com Federkielstickerei Thaler Rohrerstraße 41 • Sarnthein Tel. 0471 623258 info@federkielstickerei.com Mitgliedsbetrieb von 16

Eingearbeitete Symbole und Zunftzeichen Für die Brüder Thaler sind auch die Auswahl der traditionsreichen Motive und deren Symbolik wichtig. „Auf den historischen Stücken finden sich oft Symbole für die Bauernschaft und Zunftzeichen, wie die der Zimmerleute, Schreiner, Metzger, Fuhrleute oder der Innflößer“, erklären sie, „aber auch Sinnsprüche, religiöse und Jagdmotive, Löwen als Zeichen von Stärke und Fruchtbarkeit, der Adler als Wappentier, Salomonssiegel sowie Lebensbäume.“ Nicht selten haben die Rankwerke und Bordüren sogar klingende Namen wie „Laufender Hund“. Über 5000 Pfauenfedern im Jahr Die Schwanzfedern von 60–70 Pfauen verarbeitet die Federkielstickerei Thaler im Jahr. Wenn diese majestätischen Vögel zur Zeit der Mauser im Juli/August die Schwanzfedern verlieren, werden diese von Bauern aus dem ganzen Land zu den Federkielstickern gebracht. Mit spitzer Feder und weißer Tusche werden die Motive auf das Leder bester Qualität aufgetragen, bevor die Federkielfäden Stich für Stich eingearbeitet werden. So entstehen in reiner Handarbeit feinste Stickereien. Ein breiter, reich bestickter Trachtengürtel galt seit jeher als Statussymbol. „Der Wert eines solchen Einzelstückes lag bereits vor 200 Jahren bei 2−3 guten Milchkühen oder 2 Pferden“, kann man aus alten Berichten lesen. Bis zu 2 Jahren dauert die Wartezeit für einen bestickten Trachtengurt, in den bis zur Fertigstellung an die 100−200 Arbeitsstunden investiert werden. Die Herstellung des Trachtengurts für Männer − Fatschen, Blattlranzen, Riemen und Doppelzwickel, wie sie je nach Gegend, Form und Machart genannt werden − ist nach wie vor die Königsdisziplin der Federkielstickerei. Allen gemeinsam ist eine von Hand gravierte Messing- oder Silberschließe. Aber auch federkielgestickte Hosenträger, Geldtaschen, Hosengürtel, Trachtenschuhe und vieles mehr entsteht unter den geübten Fingern der Meister ihres Fachs. Federkielstickerei Thaler • Rohrerstrasse 41 • Sarnthein Tel. +39 0471 623258 • www.federkielstickerei.com Trachtenstoffe • Dirndlstoffe • Nähzubehör Agathe Arnold Hauptstraße 11 82441 Ohlstadt Tel. 08841-7418 Fax 08841-7897 Öffnungszeiten Mo.-Fr. 9.30-12, 15-18 Uhr Mi. + Sa. 9.30-12 Uhr • Schöne Stoffe • Knöpfe • Spitzen • Borten • Blusen • Strickjacken …passend für Ihr Dirndl Tracht und Brauchtum Irgendwo im Verborgenen liegen die Ursprünge der Tracht zwischen der Kleidung, die eine Stammeszugehörigkeit veranschaulichte, der Arbeitskleidung der Landbevölkerung und der Mode der Stadtbewohner oder zu Hofe. Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die Tracht als Zeichen der Heimatzugehörigkeit einer bestimmten Region. Am 25. August 1885 gründete der Dorfschulmeister Josef Vogl den ersten Trachtenverein mit dem Ziel, den Untergang der Lederhose zu stoppen. Brauchtum und Heimatgedanken prägen heute die Aktivitäten der zahlreichen, organisierten Trachtenvereine. Dabei wird viel Wert auf die Authentizität der Trachten gelegt. Ganz so eindeutig ist die Ausrichtung bei Bauerntheatern nicht. Hier wird oft durch völlig überzogene Darstellungen das Klischee des heiteren, aber etwas rückständigen Landbewohners untermauert. Auf dem Oktoberfest, das alljährlich hunderttausende Besucher lockt, kann man Anschauungsunterricht per excellence in Sachen Tracht nehmen. Beim Einzug der über 9000 Trachtler sieht man die original Festtrachten der Regionen, die zu besonderen Anlässen getragen werden. Aber auch viele der Besucher sieht man in Tracht – die Einen traditionell im Gewand der Heimatregion – Andere sehen sich genötigt, irgendetwas, das nach Tracht aussieht, anzuziehen. Dabei kommen oft skurrile oder auch peinliche „Kreationen“ dabei heraus. So genannte Landhausmode mit teilweise erotischen Zügen mag so manchen, meist männlichen Betrachter entzücken, hat aber mit Tracht im Sinne der Tradition wenig zu tun. Wer mehr über Trachten erfahren und sich Originale aus vielen Epochen der Trachtenkleidung ansehen möchte, sollte sich einmal nach Benediktbeuern ins Trachten Informationszentrum des Bezirks Oberbayern aufmachen. Hier werden dem Anlass und den individuellen Vorstellungen entsprechende Anregungen für die Gestaltung des eigenen Trachtengewands gegeben. Wir danken dem Trachten Informationszentrum des Bezirks Oberbayern in Benediktbeuern, Michael-Ötschmannweg 2, 83671 Benediktbeuern, Tel.: 08857/88838, info@trachten-informationszentrum.de www.trachten-informationszentrum.de 17