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Magazin Herbst 2018

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D´Hundskrippln gehen

D´Hundskrippln gehen steil Vielleicht schon bald die nächste Spider Murphy Gang? Mit nur einem Lied haben sie ein ganzes Land südlich des Weißwurst- Äquators in Wallung gebracht. Irgendwie erinnert das daran, als es vor weit über 30 Jahren einer ebenfalls junge Band gelang, mit dem Gassenhauer „Skandal im Sperrbezirk“ eine bayerische Hysterie auszulösen und dem Hamburger Udo Lindenberg ein musikalisches Äquivalent zu „Andrea Doria“ und „Rudi Ratlos“ entgegenzusetzen. Was den YouTube-Kanal betrifft, haben d´Hundskrippeln mit „Gloana Bauer" die Spiders um ein Mehrfaches überflügelt. Auch andere erfolgreiche Bands wie La Brass Banda oder Sportfreunde Stiller können da in keiner Weise mithalten. Dabei war es nur ein Remake eines One Hit Wonders, das schon längst vergessen schien. Nicht so vom Riegler Hias, der neben seinem Programmiererjob bei Audi ein bedeutsames Amt als Hochzeitslader und G´stanzelsänger inne hat. Der hat sich dann auch nicht gescheut, mit der New Yorker Band Wheatus Kontakt aufzunehmen, um sich die Rechte für eine offizielle bayerische Coverversion an deren Hit „Teenage Dirtbag“ zu sichern. Es ist gleichsam der Titelsong des Films „Auch Verlierer haben Glück“. Nach einigem hin und her und Verständnis-Problemen, die eine amerikanisch-bayerische Übersetzung zwangsläufig mit sich bringt, war die Sache klar und der Alleinunterhalter Hias benötigte nur noch eine Band. Die stand schon bereit, nachdem auf einem Festzeltevent, eine junge talentierte Band dem Publikum mächtig einheizte. D´Hundskrippln - ein Name, der alsbald für Aufsehen sorgen sollte. Doch den haben sich die Jungs um den charismatischen Sänger Michael Hecker ebenfalls nicht selbst ausgedacht. Er geht nämlich auf eine frühere Generation zurück, die bevorzugt Starkbierfeste mit bayerischer Musik bespielte. Nachdem die „Alten“ dann nach und nach jüngere Musiker als Verstärkung zu sich holten, wurden die Festzeltbühnen immer größer. Als sich die erste Generation der Hundskrippln 2012 zurückzog, machten die drei jungen Mitglieder Bassist Franz Eichhammer, Keyboarder Christian Winkler und Gitarrist Andreas Semmler weiter und holten mit Schlagzeuger Christian Besel und den Gitarristen und Sänger Michael Hecker und Thomas Eberl weitere, altbekannte Freunde in die Band — die zweite Generation der Hundskrippln war geboren. Nun begannen sie dem Namen alle Ehre zu machen. Talentiert sind sie, auch ein wenig durchtrieben, denn sonst kommt man zu nichts. 44 Die Band entwickelte sich im Laufe der Zeit musikalisch immer weiter, wurde stilistisch rockiger und kreierte durch die Kombination aus Rock- Sound und ausgefallenen, bajuwarisch angehauchten Bläserarrangements einen eigenen Hundskrippln-Sound. In dieses Soundgewand hat dann auch der „Gloana Bauer" perfekt hineingepasst. Der Song entwickelte sich im Süden der Republik zu einem veritablen Kult-Hit, der insbesondere im Netz höllisch abging. Auch Bayern 3 entdeckte den Song und nahm ihn wochenlang fest ins Programm auf. Dass der Song auf dem Oktoberfest zu einem der Wiesn-Hits avancierte, war nur noch selbstverständlich. Von diesem Erfolg beflügelt, ging die Band dann flugs ins Studio, um ihr Debüt-Album „Lederhosn Amore“ einzuspielen. Viele Texte hierfür hat übrigens wieder der Riegler Hias ersonnen, der inzwischen auch Teil der Band ist. Wie der Titel schon ahnen lässt, haben die Jungs es ordentlich krachen lassen. Die Songs klingen durchweg rockig im Hundskrippln- Stil und versprühen schlichtweg gute Laune. Also auf geht’s: Den Zündschlüssel gedreht und die Fahrt ins Glück kann losgehen. Der Titelsong gibt sofort Vollgas. Italien und Bayern, das passt! Dolce Vita, Lederhosn, Amore, Oktoberfest und Weißbier, das Leben könnte nicht schöner sein. Verpackt in einem treibenden Rocksong ist diese Message der Schlüssel zum Party-Paradies. Und so geht’s dann auch weiter. Dass d´Hundskrippln inzwischen bei der Universal Music Group, dem größten der drei Major-Labels neben Sony Music und der Warner Music Group unter Vertrag genommen wurden, dürfte ein weiteres Zeichen für ihren Weg nach oben sein. Sie sind damit nun quasi Arbeitskollegen von Bon Jovi, Mariah Carey, Eric Clapton, Sarah Connor, Dire Straits, Helene Fischer, Guns n’ Roses, Elton John, Rammstein, Robbie Williams und The Rolling Stones, um nur einige Namen zu nennen.

Die traurige und die spannende Seite des Blues Ein Gespräch zwischen Bernd Rinser und Rupert Reggel Blues als Musikstil ist derzeit nicht besonders angesagt, obwohl er bei vielen Musikern hoch im Kurs steht. Vielleicht liegt das auch etwas an den vielen Jam-Sessions, die Musikern ungezwungen die Gelegenheit bieten, einzusteigen. Das Grundschema ist klar und einfach nachzuvollziehen, sodass es kaum Probleme beim spontanen nicht geprobten Zusammenspiel gibt. Den Musikern untereinander macht das sicher mächtig Spaß, doch was ist mit dem Publikum? Das ist heute vielschichtig partyorientiert und erwartet, dass es emotional mitgenommen wird. Das Publikum sehnt sich nach Leichtigkeit in einer problembelasteten Welt. Der Blues ist vielfach ernst und traurig und das will man zusätzlich nicht! Bernd Rinser ist mittlerweile ein Veteran dieser Musikrichtung und zählt zu den renommierten Blues-Größen der Republik. Er verfügt über eine Stimme, die sich Henning May, der Sänger von AnnenMayKantereit zum Vorbild genommen haben könnte, doch muss Rinser ein ganzes Jahr durch Deutschland touren, um ein Zuschauerpotential ansprechen zu können, das die Softrocker aus Köln mit wenigen Auftritten mobilisieren. Bei Rinser sind das über 100 Auftritte pro Jahr und das bereits seit Jahrzehnten. Bernd, wie findest du das? Bernd: Es ist nun mal so. Mit 16 infizierten mich die Platten der alten Blues & Folk-Größen. Rory Gallagher, der mit seiner Irish Tour 1974 meiner Meinung nach das beste BluesRock-Album aller Zeiten produzierte, war natürlich schon wesentlich moderner. Es kamen andere Künstler der damaligen Zeit wie Patti Smith, Lemmy Klimister, der nach seinem Ausscheiden bei Hawkwind seinen Bass bei Motörhead an den Marshall-Verstärker steckte, Lou Reed, Iggy Pop, die Urväter des Punks, mit Leonard Cohen, einer der großen Songschreiber und Willy DeVille, der viele Stilistiken mit seiner Stimme und Persönlichkeit vereinte, hinzu. Ich könnte noch einige andere Inspirationsquellen nennen, die an dem Virus schuld sind, von dem ich bis heute nicht geheilt bin. Rupert: Einige deiner Inspirationsquellen, die du hier aufzählst, ordnet man doch eher weniger dem Blues zu? Bernd: Der Blues war und ist Basis vieler späterer Stile, sogar bis hin zum Hip-Hop. Viele Rockbands der 1960er Jahre, besonders in Großbritannien, nahmen den Blues als Basis für ihre Musik und reimportierten ihn während der sogenannten „British Invasion“ Mitte der 1960er Jahre in die USA. Auch hier wurde er wieder von zumeist weißen Rockmusikern aufgegriffen, die daraus die verschiedenen Spielarten des Bluesrock entwickelten. Populäre Musiker und Bands wie The Doors, Led Zeppelin, Jimi Hendrix, Eric Clapton, Alvin Lee, Peter Green, The Rolling Stones und Rory Gallagher waren sowohl vom akustischen als auch vom elektrischen Blues beeinflusst und leiteten davon ihren jeweiligen eigenen Stil ab. Auch ich interpretiere nicht den klassischen schwarzen Blues, wie er im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in den Südstaaten entstand, sondern gehe meinen eigenen Weg. Rupert: Bernd, du bist wie ich auch, nicht mehr der Jüngste. Wie stellst du dir die Zukunft vor? Bernd: Ich hatte das Glück, über Jahrzehnte von dem leben zu können, was meiner eigenen Feder entsprang und ich auf der Bühne präsentieren durfte. Blues basiert auf Erzählen und dabei ist die Nähe zum Publikum unentbehrlich. Zumindest verstehe ich das für mich so. Das wird sich nicht plötzlich mit dem Eintritt ins gemeine Rentenalter ändern. Musiker sind zeitlos. In all den Jahren ist es mir zudem gelungen, ein Publikum zu gewinnen, das bei aller Schnelllebigkeit unserer Zeit noch die Fähigkeit besitzt, zuzuhören und zu genießen. Ein wenig vergleichbar wie bei Jazz oder klassischer Musik. Obwohl inzwischen fast alle meiner CDs vergriffen sind, habe ich seit 2010 keine weitere produziert. Stattdessen hatte ich mich entschlossen, ein Werk zu schaffen, das nun insgesamt 5 Alben umfasst. Jedes ist thematisch in sich geschlossen, dennoch ist die ganze Produktion als ein Gesamtwerk zu betrachten. Die ersten drei Alben stehen seit Kurzem zum Erwerb bereit. Es gibt sie als Vinyl und CD im Fachhandel. Die zwei anderen werden in absehbarer Zeit folgen. Wer Bernd Rinser und seine Musik kennenlernen will oder bereits Fan von dem einen oder anderen ist, erhält hierzu Gelegenheit im Rahmen der Murnauer Kunstnacht. Am 2. Oktober tritt er im Restaurant Auszeit im Kultur und Tagungszentrum Murnau auf. 45