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winter 2018 KLEIN

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Zammagschwoast für die

Zammagschwoast für die Leidenschaft von Rupert Reggel Man hat es ja schon immer mal leise läuten hören. Wann immer die Passion näher rückt, schweißt sich ein ganzer Ort zusammen, als hätte es vorher niemals ein Wort der Uneinigkeit gegeben. Bei jenem Ort handelt es sich um Oberammergau. Von dieser Stimmung war auch die Präsentation im Münchner Volkstheater geprägt, die erste Hinweise auf das Geschehen im Jahre 2020 vermitteln sollte. An jenem Morgen begann auch der Vorverkauf fürs Heimatsound-Festival. Als die Präsentation zu Ende war, war auch das Festival ausverkauft. Somit ist ein Tagungspunkt bereits abgehakt, so dass wir uns getrost den anderen Themen widmen können, die jedoch nicht weniger spannend sind. Mehr als 1800 Akteure haben sich bereits für das große Spiel verdingt. In diesem Sinne versprühten Christian Stückl, Frederik Mayet, Markus Zwink, als musikalischer Leiter, sowie „Finanzminister“ Walter Rutz, die zusammen neben Stefan Hageneier, verantwortlich für Bühne und Kostüme, die Kernkompetenz des Gesamtprojekts stellen, nicht nur gute Laune, sondern auch eine tief in sich verwurzelte Entschlossenheit. In etwa so wie man sie vom Fußballweltmeisterteam 2014 her in Erinnerung hat, das im Halbfinale den Gastgeber Brasilien mit 7 : 1 besiegte. Beiläufig fällt einem dabei ein, dass man jenen Spirit auch der aktuellen Bundesregierung wünschen würde. Vielleicht würde sich die Stimmung in nullkommanix ins Positive drehen. Frederik Mayet, Markus Zwink, Christian Stückl, Walter Rutz voller Gottvertrauen Chor Fantasie Eigentlich ging es bei der besagten Pressekonferenz weniger um die Passion, als vielmehr, was im Jahre davor also 2019 im Passionstheater passiert. Nicht wegzudenken ist der Brandner Kasper, der mit derbem Witz ausgestattet, ein Spaßgarant für jedermann ist. Diese Inszenierung ist ebenfalls in das Genre der Never- Ending-Erfolgsgeschichten einzureihen und sorgt somit Jahr für Jahr für ein volles Haus. Widmen wir uns deshalb zwei Inszenierungen, die bereits im Zeichen der Passion 2020 stehen. Konzert mit den Solisten, Chor und Orchester der Passionsspiele Oberammergau Man will sich nicht auf der Vergangenheit ausruhen, so die Passionsmacher in höchster Einigkeit. Was damals gut war, muss 10 Jahre später besser sein. Ein hoher Anspruch für ein Kultprojekt, dem sich einst gar Luis Trenker filmisch widmen wollte, jedoch in die Schranken verwiesen wurde. Der Anspruch ist höher. Die Hauptdarsteller fliegen dafür sogar nach Israel, um geografischen Bezug zu gewinnen. Was das Musikalische betrifft, wird bereits seit längerem geprobt, die Solisten erhalten eine professionelle Gesangsausbildung. In der Konzertreihe „Chor Fantasie“ wird dies bereits 2019 zum Ausdruck gelangen, wenn im Sommer erstmalig die neu formierten Ensembles für die Passionsspiele 2020 mit symphonischer Chor- und Orchestermusik aufwarten. Gekrönt wird dieses Konzert mit der großartigen Fantasie für Klavier, Chor und Orchester in c-moll op. 80, genannt „Chorfantasie“, von Ludwig van Beethoven. Als würdiges Schlussstück für seine große Orchesterakademie am 22. Dezember 1808 im Theater an der Wien schrieb Beethoven dieses Werk unter großem Zeitdruck. Da der Klavierpart von ihm nicht mehr rechtzeitig fertiggestellt werden konnte, musste er diesen bei der Uraufführung improvisieren – für Beethoven, einem der besten Klaviervirtuosen seiner Zeit, vermutlich kein Problem. Neben den neuen Klangkörpern der Passionsspiele stellen sich auch deren drei musikalische Leiter zum ersten Mal vor. In der Weide 2 82497 Unterammergau Tel. 08822-9494727 Schnitzlergasse 11 82487 Oberammergau Tel. 08822-3521 www.baeckerei-aurhammer.de 32

Die Pest das Spiel vom Oberammergauer Passionsgelöbnis Das Stück erzählt die Geschichte des Tagelöhners Kaspar Schisler, der sich den Sommer 1633 über – mitten in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges - bei einem Bauern in Eschenlohe als Knecht verdingte und am Kirchweihfest 1633, von Sehnsucht nach Frau und Kindern getrieben, über den Berg an den Pestwachen vorbei nach Oberammergau kam. In Eschenlohe wütete, wie in vielen Teilen Bayerns, der "Schwarze Tod", die Pest. Oberammergau wurde durch fleißiges Wachehalten vor der Ansteckung bewahrt. Autohaus Reiter Rottenbucher Str. 1a 82487 Oberammergau Telefon: 08822-92340 www.automeister-reiter.de Rund um die Uhr: Telefon 08822-92340 Doch Kaspar Schisler brachte an jenem Kirchweihabend die Krankheit ins Dorf und den Tod über 84 Menschen. In großer Not gelobten die Oberammergauer alle zehn Jahre das Passionsspiel aufzuführen, damit Gott der Pest ein Ende bereite. Der Überlieferung nach ist nach dem Gelöbnis niemand mehr in Oberammergau an der Pest gestorben. Seit 1933 wird im Vorfeld der Passionsspiele das "Pestspiel" aufgeführt. e.K. „Die Pest“ war Stückls Debut als Regisseur im Passionstheater, bevor er die Spielleitung der Passionsspiele 1990 übertragen bekam. Fast wäre es nicht dazu gekommen, löste die „Pestinszenierung“ einen Protest-Sturm aus. Stückl hatte sich angemaßt, das Drehbuch etwas auszutrixen, das gemäß seinem Empfinden etwas zu moralkatholisch und fundamentalistisch war. In der Tat beruht das Pestspiel auf einer Legende, waren Passionsspiele zu jener Zeit vielerorts alltäglich. Über 400 soll es im Alpenraum gegeben haben, die nicht zuletzt aus dem Hader mit Gott und dem Glauben entstanden. Der 30-jährige Krieg war eine der dunkelsten Zeiten überhaupt in der Bayerischen Geschichte. Laut Stückl wurden zu jener Zeit 40 Hexen in Garmisch verbrannt. Neben Hunger und Not drohten zudem die protestantischen Schweden, die gesamte Region dem Erdboden gleich zu machen. Im Sinne des Glaubenskampfes sind die zahlreichen Passionsspiele auch als eine Art Gegenreformation zu verstehen. Und ob der arme Schisler überhaut der Auslöser war? Beschwören lässt es sich nicht! Kirchlicher Machtverlust begünstigte Oberammergauer Erfolg Auf Anraten von Maximilian von Montgelas, Aufklärer und bayrischer Minister, verfügte im Januar 1802 eine Kabinettsorder Kurfürst Max IV. die Aufhebung fast aller Klöster in Bayern. Das Vermögen der Klöster wurde in der Regel zugunsten des Staates enteignet. Rechtlich sei die Übertragung möglich, weil die Bistümer mit den Mitteln der weltlichen Fürsten eingerichtet worden seien. Die Kirche habe die Schwäche der weltlichen Fürsten genutzt, um deren Souveränität zu vermindern. Mit der Reformation hätten die weltlichen Fürsten ihre alten Rechte wieder erlangt. Die protestantischen Fürsten seien spätestens aufgrund des Westfälischen Friedens in die volle Territorialhoheit eingetreten. Folglich müsse für die katholischen Reichsfürsten das Gleiche gelten. So die Argumentation. Mit der „Säkularisation“ verschwanden dann auch die meisten Passionsspiele wieder. Und somit ist es dann doch ein Wunder, dass ausgerechnet jenes in Oberammergau übrig blieb und als Mutter aller Passionsspiele weltberühmt wurde. Inh. Philipp Gundlfinger Geöffnet: Mo.-Fr. 8.30-12.30 Uhr, 14-18 Uhr; Sa. 8.30-12.30 Uhr Lieferservice Tel. 08822-9359155 33