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Holiday event Frühling 2019

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Von Huglfing nach Habach

Von Huglfing nach Habach – Hier tönt der Sound Wenn wir uns an die großen Namen der Bands erinnern, die vor über 50 Jahren eine neue Musikrichtung einleiteten, und die sich bis heute in ihrer Popularität sogar noch gesteigert haben, so fallen uns Bands wie die Beatles ein, Led Zeppelin, Ten Years After, Deep Purple und nicht zuletzt die Rolling Stones, die noch heute fleißig um den Erdball touren. Sie und eine Vielzahl weiterer Größen, deren Werke millionenfach in den Schatztruhen von Plattensammlern ruhen, stammen von der Insel. Ihre Musik sorgte nicht nur für Begeisterung, sondern löste einen Umbruch in der Gesellschaft aus. Wenn diverse Bands von damals noch heute Stadien füllen, so mag dies auf einer nostalgischen Nachwehe basieren. Doch das ist nur eine Folgerung. Wie lässt sich sonst erklären, dass sich massenhaft junge Leute ebenfalls vom Rock ´n` Roll hypnotisch angezogen fühlen? Ist es verwunderlich, dass im Zeitalter der sogenannten Superstars aus der Fernsehretorte, jene nach wenigen Monaten bereits wieder Nobodies sind? Willi Augustin, Urgestein der Münchner Szene und fast so lange auf der Bühne wie Keith Richards erklärt das wie folgt: Die meisten jungen Leute wollen alles schön gerichtet haben bevor sie sich dann möglichst im Glitzerkleid sich auf die Bühne begeben. Kaum einer ahnt auch nur, dass langfristiger Erfolg in der Regel nur durch harte Arbeit zu erreichen ist. Schöne Stimmchen allein sind austauschbar. Zum Erfolg gehört Persönlichkeit und daran muss man ganz schön feilen. In der Tat ist es so, denn die internationalen Acts tragen vielfach britische Namen. Dort ist man es gewöhnt für wenige Pfund von Pub zu Pub zu tingeln und sich jeden einzelnen Fan persönlich zu erobern. Noch heute genieren sich große Namen nicht, zwischendurch in kleinen Clubs aufzutreten. Ohne großartige Technik kann man dort zeigen, was man wirklich drauf hat und das macht einem Vollblutmusiker selbst natürlich viel mehr Spaß. Wen mag es verwundern: Neben dem Mini-Rock ist jene Musik auch bald zu uns über den Kanal geschwappt. Obwohl es ihn schon lange nicht mehr gibt, haftet dem Hamburger Starclub ein Mythos an. Hier haben sich die Beatles ihre Sporen verdient. Zu den Vorreitern in München gehörten das Big Apple und das PN, wo sich fortan die Live-Bands die Klinke in die Hand gaben. Doch auch hier mitten auf Lande tat sich was. Die Waldstrasse 4 in Huglfing dürfte inzwischen über 40 Jahre auf dem Buckel haben und hat fast allen einstigen großen Münchner Liveclubs etwas voraus, einfach dadurch, dass dieses Lokal in seiner Urform immer noch immer lebt. 42

Ein Franke lockt Stars für lau in die oberbayerische Provinz Sein Name: Dieter Uebler, gelernter Betriebswirt, hatte schon immer mehr Spaß an der Musik als an Zahlen. Seine Leidenschaft waren Gitarren, was ihn dazu brachte, sich in der Wissenschaft des Gitarrenbaus zu vertiefen. Als Musiker stand er u.a. mit Los Bravos auf die Bühne. Schon damals zählten Jonny Cash, Peter Maffei oder Frank Diez zu seinen Bekannten. Nicht von ungefähr: Jeder Musiker war dankbar, jemanden zu kennen, der etwas von Instrumenten verstand und sie nach oft brachialer Handhabung wieder fachkundig reparieren konnte. Trotz alledem war Uebler noch bürgerlich. Er war unterwegs als Hygieneberater, was ihn letztlich nach Murnau brachte, da das UKM zu seinen Kunden zählte. Als Musiker in Murnau zu sein, bedeutete automatisch in der Waldstraße in Huglfing zu verkehren. Die wurde damals beherrscht von Williams Wetsox, der den Blues im Oberland etablierte und neben Willy Michl zu den Größen der neuen bayrischen Volksmusik zählte. In Uebler Kopf begann es zu arbeiten. Dieter Uebler: Ein Lebensabend in Gelassenheit Als sich dann die Dorfwirtschaft direkt gegenüber der Kirche im nahegelegenen Obereglfing zur Pacht anbot, schlug der Dieter zu und schmiss seinen Job. Das Village, sein Musikclub in einem Bauerndorf, war geboren. Mit Ueblers Kontakten sollte er bald zu einem Anziehungspunkt für Liebhaber der Livemusik werden, überregionaler ausgerichtet als es damals die Waldstraße war. Sehr bald wurde aus dem Wunsch Wirklichkeit und drang bis in die Landeshauptstadt hinein. Und so dauerte es nicht lange, da war der bis dato beschauliche Ort nicht selten bis zur letzten Lücke zugeparkt. Als der Pachtvertrag zu Ende ging, schien der Hausbesitzer dem Glauben verfallen zu sein, er säße nun auf einer Goldmine, die jeder andere auch und vielleicht man auch selber ausbeuten könnte, packte Übler seine Sachen zusammen und zog nach Habach, wo er eine Alte Mühle erwarb, die bereits als Gastwirtschaft eingetragen war. Ein alter Habacher weiß gar zu berichten: Das war mal ein Puff, das die geografische Abgeschiedenheit für absolute Anonymität zu nutzen wusste. Lassen wir es so hingestellt, so war die Obermühle in jedem Fall eine beliebte Fernsehkulisse für die sogenannten Lederhosenfilme. Und das lässt sich auf Zelluloid verewigt, stichhaltig nachvollziehen, sofern man jene Filme, die einst als voyeuristische Alternative zu Peter Alexander, Heintje und Winnetou Abermillionen in die Kinos gezogen haben, noch in die Hand bekommt. In jedem Fall geht mit der Obermühle eine spannende Historie einher. Und nun zog dort das Village ein, verbunden mit dem weiteren Vorzug, dass Habach in unmittelbarer Nähe zur Autobahn liegt. Entgegen jeglichen Spekulationen wurde damit Obereglfing wieder zu einem beschaulichen Ort. 43